Du willst dein Coaching über deine WordPress-Seite verkaufen, und zwei Namen fallen sofort: SureCart und WooCommerce. Ich zeige dir ehrlich, welches Tool zu welchem Geschäftsmodell passt und wo beide an ihre Grenze kommen. Mit den echten deutschen Gebührensätzen, nicht mit den US-Zahlen aus jedem zweiten Vergleich. Am Ende weißt du auch, wann keiner der beiden dein Problem löst.
Nimm SureCart für schlanke Selbstkauf-Checkouts, WooCommerce für einen echten Shop mit vielen Produkten. SureCart ist schneller eingerichtet und hat EU-MwSt eingebaut. WooCommerce gewinnt bei deutscher Rechtssicherheit und voller Kontrolle, kostet dafür deutlich mehr Pflege.
- SureCart Pro startet bei 179 $ pro Jahr, WooCommerce ist im Kern kostenlos.
- Bei sechsstelligem Monatsumsatz ist der Lizenzpreis die unwichtigste Zahl im Vergleich.
- Beide brauchen eine eigene WordPress-Seite, die du selbst pflegst.
- Für Closer-gesteuerte Abschlüsse mit Vertrag und Signatur passt keiner von beiden nativ.
Wenn du physische Produkte mit Versand und Lager verkaufst, brauchst du hier nicht weiterlesen, dann ist WooCommerce ohnehin gesetzt.
SureCart und WooCommerce im direkten Vergleich
| Kriterium | SureCart | WooCommerce |
|---|---|---|
| Wann es passt | Schlanker Checkout für wenige Angebote | Vollwertiger Shop mit vielen Produkten |
| Stärken | EU-MwSt eingebaut, schnelles Setup, gehosteter Checkout | Open Source, riesiges Ökosystem, komplett auf Deutsch |
| Grenzen | Admin primär englisch, Gratis-Plan mit Transaktionsgebühr | Abos und Rechtssicherheit nur über Zusatz-Extensions |
| Kosten-Modell | Pro ab 179 $ jährlich, 0 % Plattformgebühr | Core gratis, Betrieb vierstellig aufwärts |
Was SureCart eigentlich ist
SureCart wird oft als normales WordPress-Plugin beschrieben. Das stimmt nur halb.
SureCart: Ein WordPress-Plugin, dessen Checkout als gehosteter SaaS-Dienst auf einer Headless-Plattform läuft. Du installierst das Plugin auf deiner eigenen WordPress-Seite, die Zahlungsabwicklung selbst liegt aber auf den Servern von SureCart. Bezahlt wird über deine eigenen Konten bei Stripe, PayPal oder Mollie.
Der Vorteil dieser Bauweise: Der Checkout bleibt schnell, auch wenn dein Hosting lahmt. Der Haken: Du brauchst trotzdem eine eigene WordPress-Installation mit Hosting, Updates und Plugin-Wartung.
Diese Trennung merkst du erst im Ernstfall. Der Checkout läuft weiter, die Seite drumherum steht. An der Stelle verkacken es viele, weil sie einen gehosteten Checkout mit einem wartungsfreien System verwechseln.
SureCart unterstützt Stripe, PayPal und Mollie als Zahlungsanbieter. Dazu kommen 135+ Währungen inklusive Euro und Dutzende Zahlungsmethoden. Welche Anbieter-Kombination für dein Modell sinnvoll ist, haben wir in den besten Zahlungsanbietern für Coaches und Berater auseinandergenommen.
Praktisch heißt das: Karten, Wallets und Bank-Lastschriften laufen über deine eigenen Konten. Das Geld landet nie zwischengeparkt bei SureCart. Für die Buchhaltung ist das ein spürbarer Unterschied zu Reseller-Modellen.
Was für SureCart spricht
- EU-MwSt-Handling ist eingebaut, inklusive USt-ID-Prüfung im Checkout.
- Der gehostete Checkout lädt unabhängig von deinem Hosting stabil.
- Dunning für Abos läuft automatisch, mit Remindern und Karten-Update-Link.
Wo SureCart Grenzen hat
- Admin und Doku sind primär englisch, nur der Checkout ist übersetzbar.
- Der Gratis-Einstieg kostet dich einen Anteil von jedem Verkauf.
- Verträge mit digitaler Signatur für High-Ticket gibt es nicht nativ.
Was WooCommerce für dich bedeutet
WooCommerce ist der Standard-Shop für WordPress. Open Source, kostenlos im Kern, mit einem riesigen Ökosystem.
Genau da liegt aber der Denkfehler vieler Coaches. Ein Coach mit drei Angeboten braucht keinen Produktkatalog mit Warenkorb. Er braucht einen Bezahlvorgang, der einen zugesagten Deal sauber abschließt.
Im Core steckt alles für einen klassischen Warenkorb. Produktkatalog, Kategorien, Steuersätze, Versandzonen, Gutscheine. Für einen Shop mit 200 Artikeln ist das richtig stark.
Für ein Coaching-Angebot brauchst du davon fast nichts. Was du wirklich brauchst, liegt dagegen außerhalb des Core und kostet extra.
- Wiederkehrende Zahlungen laufen über WooCommerce Subscriptions für 279 $ pro Jahr.
- Rechtssichere DACH-Texte und deutsche Rechnungen kommen von Germanized oder German Market.
- Typische weitere Extensions liegen zwischen 29 und 299 $ pro Jahr.
Klingt erstmal gut, oder? Ein Baukasten, in dem wirklich alles verfügbar ist. Nur kaufst du jedes Teil einzeln und pflegst es danach auch einzeln.
Mal ehrlich. Die meisten Coaching-Websites mit WooCommerce nutzen fünf Prozent der Funktionen. Die restlichen 95 Prozent wollen trotzdem geupdatet werden.
Das rächt sich spätestens dann, wenn ein Plugin-Update den Checkout zerlegt und du es erst am Wochenende merkst. WooCommerce ist mächtig, aber Macht will verwaltet werden. Die drei sauberen Wege für Kurse und Coachings über WordPress habe ich im Beitrag über digitale Produkte mit WordPress verkaufen beschrieben.
Die Kostenrechnung, ehrlich durchgerechnet
Jetzt kommt der nervige Teil. Die Listenpreise beider Tools sagen fast nichts über deine echten Kosten.
Bei SureCart gibt es einen kostenlosen Launch-Plan und Pro-Pläne. Pro für einen Store kostet 179 $ pro Jahr als Einführungspreis, verlängert dann zu 199 $ pro Jahr. Daneben existieren einmalige Lifetime-Lizenzen, deren Staffel SureCart schon mehrfach umgebaut hat.
Bei WooCommerce ist das Core-Plugin kostenlos. Der Betrieb ist es nicht. Managed-Hosting mit ernsthaftem Support liegt laut Kostenanalysen bei bis zu 700 $ pro Monat.
Dazu kommen Domain, SSL, Theme und der Extension-Stack. Wer nur die beiden Listenpreise nebeneinanderlegt, plant sein Budget von Anfang an falsch.
Und jetzt die Einordnung, die in solchen Vergleichen fast immer fehlt. Wenn im Sales-Call gerade ein fünfstelliger Abschluss auf der Kippe steht, sind 200 Dollar Lizenzunterschied im Jahr egal. Teuer wird nur der Checkout, der im falschen Moment nicht lädt.
Jahreskosten im Überblick, gerundet
| Posten | SureCart | WooCommerce | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Tool-Lizenz | 179-399 $ Pro | 0 $ Core | SureCart-Preis nach Stores |
| Abo-Funktion | Inklusive | 279 $ Extension | WooCommerce Subscriptions |
| DACH-Rechtstexte | Nicht abgedeckt | Ab 69,95 € Pro | Germanized oder German Market |
| Realer Jahresbetrieb | Plan plus Hosting | 1.800-15.000+ $ | Laut Kostenanalysen |
Dazu kommen bei beiden immer die Gebühren deines Zahlungsanbieters. Hier lohnt ein genauer Blick, weil fast jeder deutsche Vergleich einfach die US-Sätze abschreibt.
Stripe rechnet in Deutschland nach Kartenherkunft ab. Europäische Standardkarten kosten 1,5 % plus 0,25 Euro, Premium-Karten aus dem EWR 1,9 %. Internationale Karten liegen bei 3,25 % plus 0,25 Euro.
PayPal nimmt für deutsche Verkäufe 2,99 % plus 0,39 Euro pro Transaktion. Die oft zitierten 2,9 % plus 30 Cent sind die amerikanische Preisliste. Wer die US-Sätze übernimmt, verschätzt sich bei sechsstelligem Monatsumsatz schnell um vierstellige Beträge.
Die Gratis-Falle beim SureCart-Launch-Plan
Der kostenlose Launch-Plan trägt eine Plattform-Transaktionsgebühr, die SureCarts eigene Fee-Doku mit 2,9 % pro Transaktion angibt. Bei einem 15.000-Euro-Deal wären das 435 Euro, zusätzlich zu den Stripe-Gebühren. Erst der Pro-Plan senkt die Plattformgebühr auf 0 %, ab 179 $ pro Jahr also ein Pflichtkauf für jeden ernsthaften Verkäufer.
Ganz kurz, bevor wir weitergehen. Die Sekundärquellen nennen für den Launch-Plan teils andere Sätze, etwa 1,9 % auf Boosted-Transactions. Prüfe die aktuelle Staffel direkt auf der Pricing-Seite, die Angaben divergieren.
Abos und Ratenzahlung im Vergleich
Wiederkehrende Zahlungen sind für Coaches der Normalfall. Hier trennen sich die beiden Tools deutlich.
Bei SureCart sind Abos eingebaut, inklusive Dunning. Es gibt Renewal-Reminder vor jeder Abbuchung, automatische Retries nach Smart-Schedule und Recovery-Emails mit Portal-Link zum Karten-Update. Das ist Zahlungs-Dunning, kein rechtliches Mahnwesen mit Mahnstufen oder Inkasso-Anbindung.
Der Unterschied zählt, sobald echtes Geld offen steht. Eine geplatzte Rate auf einen 15.000-Euro-Vertrag holst du mit einer freundlichen Recovery-Mail nicht zurück. Dafür brauchst du Mahnstufen und im Zweifel einen Inkasso-Weg.
Für den Alltagsfall reicht das eingebaute Dunning trotzdem gut aus. Eine abgelaufene Karte fängt die automatische Wiederholung meist ohne dein Zutun ab. Notfalls stößt du die Zahlung im Dashboard manuell erneut an.
Bei WooCommerce sind wiederkehrende Zahlungen nicht im Core. Die offizielle Extension WooCommerce Subscriptions kostet aktuell 279 $ pro Jahr. Wer noch mit den alten 199 $ kalkuliert, liegt schon daneben.
Dazu kommen Rechts-Plugin, Theme und meist noch Marketing-Automation. Allein diese Zusatz-Module landen im typischen Bereich von 700 bis 900 $ jährlich.
Da stolpern die meisten drüber. Die Kalkulation startet beim kostenlosen Core und endet ein Jahr später vierstellig.
Order Bumps, Upsells und der abgebrochene Warenkorb
Kommen wir zu dem Punkt, den fast jeder Vergleich weglässt. Beide Tools wollen deinen Bestellwert erhöhen, wählen dafür aber verschiedene Wege.
Bei SureCart stecken Order Bumps, Post-Purchase-Upsells und die Rückholung abgebrochener Checkouts im Produkt. Das gilt für jeden Plan, auch den kostenlosen. Ein Checkout gilt nach 30 Minuten ohne Abschluss als verlassen und löst die Follow-up-Mail aus.
Diese Disziplin gewinnt SureCart deutlich. Bei WooCommerce kaufst du für dieselben Mechaniken wieder einzelne Extensions dazu und pflegst sie danach.
Nur zählt dieser Sieg für dich womöglich gar nichts. Order Bumps sind Selbstkauf-Mechanik. Sie wirken, während der Kunde allein vor dem Bildschirm sitzt.
Bei einem im Call zugesagten Deal klickt niemand mehr ein Bump-Häkchen an. Da verhandelt dein Closer den Umfang im Gespräch. Wer die Tool-Wahl daran aufhängt, bezahlt für Mechanik, die sein Vertriebsmodell nie auslöst.
EU-MwSt und DACH-Rechtssicherheit
Hier gewinnt jedes Tool eine Disziplin. Und ja, das meine ich ernst.
SureCart gewinnt beim EU-VAT-Handling. Die MwSt wird automatisch nach Kundenstandort berechnet, die USt-ID im Checkout per VIES validiert. Bei gültiger VAT-Nummer greift automatisch Reverse-Charge, und die USt-ID landet auf der herunterladbaren Rechnung.
Was SureCart dagegen nicht abdeckt, sind die deutschen Rechnungsformate. XRechnung und ZUGFeRD sind dort nicht dokumentiert. Spätestens wenn ein Auftraggeber eine strukturierte E-Rechnung verlangt, stehst du ohne Lösung da.
WooCommerce gewinnt bei der deutschen Rechtssicherheit. Mit Germanized bekommst du rechtssichere Preisangaben, Widerrufsbelehrung, Grundpreise und deutsche Rechnungen. Die Pro-Version ab 69,95 € kann PDF-Rechnungen, ZUGFeRD und XRechnung, und Germanized läuft auf 70.000+ Shops.
Die Free-Version deckt die Basis schon ab. Für Rechnungen und die Behörden-Formate brauchst du die Pro-Lizenz für eine Domain.
- Preisangaben inklusive Grundpreis, Versandhinweis und MwSt-Ausweis.
- Widerrufsbelehrung und Widerrufsformular an der richtigen Stelle im Ablauf.
- PDF-Rechnungen sowie ZUGFeRD und XRechnung in der Pro-Version.
Mythos
WooCommerce ist kostenlos, also ist es die günstigste Lösung für meinen Coaching-Verkauf.
Realität
Kostenlos ist nur das Core-Plugin. Ein produktionsreifer Store liegt im vierstelligen Jahresbereich, weil Hosting, Abo-Extension, Rechts-Plugin und Theme dazukommen. Dafür nimmt WooCommerce 0 % Umsatzbeteiligung, das bleibt ein echter Pluspunkt des Modells.
Sprache und Alltag im Backend
Klingt nach Detail, entscheidet aber über deinen Alltag. Du oder dein Team arbeiten jeden Tag in diesem Backend.
WooCommerce ist über das WordPress-Übersetzungs-Ökosystem vollständig auf Deutsch verfügbar. Jede Einstellung, jede Fehlermeldung, jede Doku-Seite findest du in deiner Sprache.
Bei SureCart sind Admin und Doku primär englisch. Der Checkout selbst ist übersetzbar, eine offizielle vollständige deutsche Lokalisierung wie bei WooCommerce plus Germanized ist aber nicht dokumentiert. Wenn deine Assistenz kein Englisch kann, fliegt dir das im Support-Alltag um die Ohren.
Mein Praxis-Tipp zur Entscheidung
Ich lasse vor so einer Tool-Wahl immer die Person testen, die später täglich damit arbeitet. Nicht den Inhaber.
In einem Team hat die Assistenz beim 30-Minuten-Test drei Stolperstellen gefunden, die dem Inhaber nie aufgefallen wären. Das Ergebnis dieser halben Stunde ist mehr wert als jeder Feature-Vergleich.
Der Wartungs-Elefant im Raum
Okay, kurzer Einschub. Es gibt einen Punkt, bei dem sich beide Tools exakt gleich verhalten.
Beide setzen eine selbst gewartete WordPress-Installation voraus. Updates, Sicherheit, Plugin-Konflikte, Backups. Der Wartungsaufwand der WordPress-Welt entfällt bei keinem der beiden.
SureCart nimmt dir den Checkout-Teil ab, weil der als SaaS läuft. Deine WordPress-Seite drumherum bleibt trotzdem dein Problem. Ein kaputtes Theme-Update legt die Seite lahm, auf der dein Checkout-Button liegt.
Dazu kommt der Zeitpunkt. Updates brechen selten dann, wenn du gerade Luft hast. Es passiert abends, am Wochenende oder mitten in einer Launch-Woche.
Viele lösen das mit einer Agentur auf Abruf. Sauberer Weg, kostet aber wieder Budget und einen Ansprechpartner, der auch wirklich erreichbar ist. Nicht schön, aber ehrlich gerechnet.
Rechne diese Stunden ehrlich in deine Kosten ein. Zwei Stunden Wartung pro Monat sind bei deinem Stundensatz schnell teurer als jede Tool-Lizenz.
Als ein Plugin-Update einen 18.000-Euro-Deal aufhielt
Eine Geschichte aus meinem Umfeld, die genau diesen Punkt zeigt. Ein Berater, solide siebenstelliges Jahresgeschäft, verkaufte seine Programme über eine WordPress-Seite mit Shop-Plugin. Sein Closer hatte an einem Donnerstagabend einen 18.000-Euro-Deal am Telefon.
Zusage stand, der Kunde wollte sofort zahlen.
Am selben Nachmittag hatte die Agentur ein Routine-Update eingespielt. WordPress-Core, ein paar Plugins, nichts Wildes.
Eines der Updates vertrug sich nicht mit dem Checkout, der Bezahl-Button führte auf eine weiße Seite. Der Closer merkte es live im Call, als der Kunde sagte, da lädt nichts.
Was folgte, war Flickwerk. Der Closer schickte hastig einen manuell gebauten Zahlungslink per E-Mail hinterher.
Der Kunde zahlte erst am Montag, nach einem weiteren Nachfass-Telefonat. Vier Tage Zittern für einen Deal, der am Donnerstag fertig war.
Der Deal ging gut aus, das war Glück. Bei einem skeptischeren Kunden wäre das Momentum weg gewesen.
Die Lehre daraus ist simpel: Je mehr bewegliche Teile zwischen Zusage und Zahlung liegen, desto mehr kann in genau diesem Moment brechen. Nicht lustig. Aber lehrreich.
Warum die Frage nach dem besseren Tool oft die falsche ist
Der übliche Rat lautet: Vergleiche die Features und nimm das stärkere Tool. Ich halte das für den falschen Ansatz.
SureCart und WooCommerce sind beide Self-Service-Systeme. Gebaut sind beide dafür, dass ein Kunde allein auf eine Seite kommt, allein klickt und allein bezahlt. Für Kurse bis ein paar Hundert Euro ist das genau richtig.
High-Ticket funktioniert anders. Ein 15.000-Euro-Deal wird am Telefon geclost, nicht im Warenkorb. Danach brauchst du Vertrag, digitale Signatur und eine Zahlungsstrecke, die der Closer live steuert.
Vertragsfunktionen im Sinne von High-Ticket-Sales bietet keines der beiden Tools nativ. Keine digitale Signatur, kein Vertrags-PDF, keine Ratenvereinbarung mit rechtlichem Mahnwesen. Das ist kein Mangel der Tools, weil sie für einen anderen Job gebaut wurden.
Die bessere Metrik als der Feature-Vergleich ist deshalb: Wie viele deiner Deals entstehen im Gespräch statt im Selbstkauf?
Die Falle: Ich habe früher versucht, telefonisch gecloste Deals über einen Selbstkauf-Checkout abzuwickeln. Der Kunde bekam nach dem Call einen Shop-Link, landete auf einer Produktseite und musste sich selbst durchklicken. Zwischen Zusage und Zahlung vergingen teils Tage, und in besonders guten Monaten mit über 300.000 Euro Vertragssumme wurde das Nachfassen zum Teilzeitjob.
Die Lösung: Ein Checkout, der für den Closing-Call gebaut ist. Ein Link pro Deal, der Closer stellt Preis und Zahlweise live im Gespräch ein, der Kunde unterschreibt digital und zahlt in derselben Sitzung. Seitdem ist der Deal abgeschlossen, bevor der Kunde auflegt.
Wann SureCart gewinnt, wann WooCommerce
So. Genug Theorie, hier die klare Zuordnung.
Nimm SureCart, wenn du wenige digitale Angebote im Selbstkauf verkaufst und das EU-MwSt-Thema ohne Zusatz-Plugins erledigt haben willst. Der gehostete Checkout und das eingebaute Abo-Dunning sparen dir echte Arbeit. Plane den Pro-Plan ein, der Gratis-Plan kostet dich sonst pro Verkauf.
Nimm WooCommerce, wenn du einen richtigen Shop mit vielen Produkten willst, volle Kontrolle brauchst oder deutsche Rechnungen nach ZUGFeRD und XRechnung erstellen musst. Mit Germanized ist die DACH-Rechtssicherheit hier am reifsten. Dafür akzeptierst du den Extension-Stack und mehr Pflege.
Wenn du zwischen beiden schwankst, hilft eine simple Frage. Wie viele Artikel stehen in einem Jahr wirklich in deinem Angebot?
Unter fünf Angeboten gewinnt fast immer der schlanke Weg. Ab zwanzig Artikeln mit Varianten und Versand gewinnt der Shop. Dazwischen entscheidet, wie viel WordPress-Pflege du dir zumuten willst.
Wenn du generell breiter vergleichen willst, auch jenseits der WordPress-Welt, lohnt der Blick in unseren großen Checkout-Plattformen-Vergleich. Da stehen alle Modelle nebeneinander.
Der dritte Weg: Checkout ohne WordPress-Wartung
Für telefonisch gecloste Deals ab 4.000 Euro gibt es einen dritten Weg, der die WordPress-Frage komplett umgeht. Ein eigenständiger High-Ticket-Checkout, der ohne eigene WordPress-Installation läuft.
CloserCart ist so ein System. Du verbindest deine eigenen Zahlungsanbieter wie Stripe, PayPal oder Klarna, das Geld geht direkt auf deine Konten. Es gibt keine Umsatzbeteiligung, und niemand muss Plugin-Updates fürchten, weil es nichts zu warten gibt.
Der Kern ist der Closer-gesteuerte Ablauf. Ein Link pro Deal, Vertrag mit digitaler Signatur, Preis und Ratenaufteilung stellt der Closer live im Gespräch ein. Bei CloserCart heißt die Ratenzahlung übrigens Aufteilung.
Preislich liegt das im Rahmen der WordPress-Stacks. Starter kostet 49 € pro Monat mit einem Produkt und einem Closer inklusive, Pro 99 € pro Monat mit unbegrenzten Produkten und Custom Domains. Jeder weitere Closer kostet 49 € pro Monat dazu.
Wichtig für die Einordnung: Das ersetzt keinen Shop. Wer 40 Kurse im Selbstkauf listet, bleibt bei SureCart oder WooCommerce besser aufgehoben. Wer am Telefon verkauft, kauft sich mit einem Shop nur Wartung ein, die er nicht braucht.
Was ich in den ersten 7 Tagen tun würde
Egal, welchen Weg du wählst, der Ablauf zur Entscheidung ist derselbe. So würde ich es angehen.
- Zähle deine Deals der letzten drei Monate: Selbstkauf oder Telefon-Closing?
- Rechne die echten Jahreskosten deines Wunsch-Stacks inklusive Hosting und Extensions.
- Prüfe dein MwSt-Setup: brauchst du VIES-Prüfung, Reverse-Charge oder XRechnung?
- Teste den Favoriten mit einem echten Produkt und einer Ein-Euro-Zahlung.
- Lass die Person testen, die täglich im Backend arbeiten wird.
- Spiele einen kompletten Kauf inklusive Rechnung und Storno einmal durch.
- Entscheide und richte den Gewinner mit deinen echten Preisen fertig ein.
Sieben Tage reichen dafür locker. Die meisten schieben diese Entscheidung monatelang vor sich her und verlieren in der Zeit mehr Marge, als der Test kostet.
Deine Checkliste vor dem Live-Gang
- Echte Jahreskosten inklusive Hosting, Extensions und Wartungsstunden berechnet.
- Zahlungsgebühren mit den deutschen Sätzen gerechnet, nicht mit den US-Angaben.
- MwSt-Logik mit einer Test-Bestellung aus dem EU-Ausland geprüft.
- Abo-Zahlung angelegt und eine fehlgeschlagene Zahlung simuliert.
- Backend-Test durch die Person, die täglich damit arbeitet.
- Backup- und Update-Routine für die WordPress-Installation festgelegt.
Quellen
- SureCart Pricing (offiziell)
- SureCart Docs: Understanding eCommerce Fees
- SureCart Docs: EU VAT einrichten
- SureCart Docs: Failed Payments / Dunning
- SureCart: Built-in Marketing (Bumps, Upsells, Abandoned Checkout)
- Stripe Preise Deutschland (offiziell)
- PayPal Gebühren für Händler Deutschland (offiziell)
- WooCommerce Subscriptions (offiziell)
- WooCommerce Pricing (offiziell)
- Germanized for WooCommerce
- WooCommerce Pricing Cost Breakdown (Swell)
Häufige Fragen zu SureCart vs WooCommerce
Ist SureCart kostenlos nutzbar?
Ja, der Launch-Plan kostet keine Lizenzgebühr. Dafür behält die Plattform laut hauseigener Fee-Doku 2,9 % von jedem Verkauf ein. Wer auf Pro wechselt, zahlt ab 179 $ jährlich und gibt danach nichts mehr vom Umsatz ab.
Stripe und PayPal rechnen ihre eigenen Gebühren davon unabhängig ab.
Kann SureCart deutsche MwSt und Reverse-Charge?
Ja, das gehört zum Funktionsumfang. Der Steuersatz richtet sich nach dem Standort des Käufers, eine eingegebene Umsatzsteuer-Nummer prüft das System gegen VIES. Stimmt sie, schaltet der Checkout selbstständig auf Reverse-Charge um.
Auf der herunterladbaren Rechnung taucht die Nummer ebenfalls auf. Behördenformate wie XRechnung sind für SureCart dagegen nicht dokumentiert.
Was kostet WooCommerce wirklich pro Jahr?
Das Plugin selbst kostet nichts, der laufende Betrieb schon. Externe Kostenanalysen landen inklusive Hosting, Theme, Abo-Extension und Rechts-Plugin bei 1.800 bis 15.000+ $ jährlich. Wo du in dieser Spanne liegst, hängt vor allem am Hosting und an der Zahl deiner Extensions.
Am Umsatz selbst beteiligt sich WooCommerce dabei nicht.
Brauche ich für beide Tools eine WordPress-Seite?
Ja, ohne WordPress läuft keines der beiden. Bei SureCart liegt zwar die Zahlungsabwicklung auf fremden Servern, das Plugin selbst braucht trotzdem deine Installation.
Updates, Sicherheit, Backups und Plugin-Konflikte hängen damit bei beiden Wegen an dir oder an deiner Agentur.
Was nehme ich für telefonisch gecloste High-Ticket-Deals?
Nativ bietet keines der beiden eine digitale Signatur oder eine live gesteuerte Zahlungsstrecke. Der Selbstkauf ist bei beiden das zugrunde liegende Modell. Ab 4.000 Euro Auftragswert passt ein spezialisierter High-Ticket-Checkout wie CloserCart deutlich besser.
Deine Zahlungsanbieter, dein Geld, keine WordPress-Wartung
CloserCart verbindet Stripe, PayPal und Klarna direkt mit deinen eigenen Konten, ganz ohne Plugin-Stack. Vertrag, Signatur und Aufteilung steuert dein Closer live hinter einem Link.
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