Mahnwesen & Zahlungsausfälle

Mahnwesen-Software: Die besten Tools im Vergleich

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Offene Raten sind kein Schönheitsfehler, sie sind fehlendes Geld auf deinem Konto. Eine gute Mahnwesen-Software holt es zurück, ohne dass du jeder Rechnung hinterherläufst. Hier bekommst du die besten Tools im ehrlichen Vergleich und die Antwort, wohin das Mahnwesen wirklich gehört.

Kurzantwort

Verkaufst du klassisch per Rechnung, nimm Lexware Office oder sevDesk. Verkaufst du High-Ticket mit Ratenverträgen, gehört das Mahnwesen in den Checkout und nicht in ein Extra-Tool. Nur dort kennt es Vertrag, Rate und Closer.

TL;DR
  • Lexware Office hat Mahnungen in allen Plänen ab 7,90 Euro drin.
  • FastBill verlangt fürs automatische Mahnwesen ein Add-on ab 4,90 Euro.
  • Kein Buchhaltungs-Tool übergibt harte Fälle automatisch ans Inkasso.
  • Bei Ratenverträgen greift die Mahnautomatik nur mit nachgebauten Einzelrechnungen.

Wenn deine Kunden ausschließlich per Vorkasse zahlen und du keine offenen Raten führst, brauchst du hier nicht weiterlesen.

Im Vergleich stehen fünf Anbieter, die im deutschen Markt bei diesem Thema durchgehend auftauchen. Dazu CloserCart als Gegenmodell aus der Checkout-Ecke.

Bevor wir die einzelnen Tools durchgehen, kurz die Grundsatzfrage. Am Markt stehen sich zwei Bauarten gegenüber, und die Wahl dazwischen entscheidet mehr als jedes Feature-Häkchen.

Buchhaltungs-Tool oder Checkout mit Mahnwesen

Kriterium Buchhaltungs-Tool Checkout-natives Mahnwesen
Passt für Rechnungen mit Zahlungsziel Verträge mit Raten
Stärken Buchhaltung, GoBD, Steuer Rate, Vertrag und Closer bekannt
Grenzen Kennt keine Zahlungspläne Ersetzt keine Buchhaltung
Auslöser der Mahnung Überfällige Rechnung Geplatzte Rate
Kosten pro Monat 7,90 bis 59 Euro 49 oder 99 Euro
Empfehlung Verkaufst du überwiegend Einmalrechnungen, reicht das Buchhaltungs-Tool locker. Sobald Ratenverträge dein Standard sind, entscheidet die Nähe zum Zahlungsplan. Viele fahren am Ende beides, weil die Buchhaltung ohnehin bleiben muss.

Was eine Mahnwesen-Software wirklich können muss

Der Grundjob ist bei allen Tools gleich. Du definierst Mahnregeln, also zum Beispiel sieben Tage nach Fälligkeit. Dann folgen Mahnstufen von der Zahlungserinnerung bis zur zweiten Mahnung.

Die Software erzeugt die Mahnung, versendet sie per E-Mail oder teils per Brief und aktualisiert die offenen Posten. So weit die Theorie. Klingt erstmal gut, oder?

Der Effekt ist messbar. Laut Agicap senkt ein standardisiertes, automatisiertes Mahnwesen das durchschnittliche Zahlungsverzugsalter um bis zu zwei Wochen. Die Chance, überfällige Rechnungen binnen 60 Tagen einzutreiben, verdreifacht sich demnach sogar.

Das rächt sich umgekehrt, wenn du ohne System arbeitest. Dann mahnst du, wenn du zufällig dran denkst. Bei einer offenen 24.000-Euro-Aufteilung ist Zufall kein Prozess.

Drei Dinge entscheiden im Alltag über die Qualität. Erstens der Auslöser: Woran merkt das System überhaupt, dass Geld fehlt? Zweitens die Frist, also nach wie vielen Tagen die erste Nachricht rausgeht.

Drittens die Rückkopplung. Zahlt der Kunde nach Stufe eins, muss die zweite Stufe automatisch sterben. Fehlt dieser Abgleich, mahnst du Leute an, die längst überwiesen haben.

Peinlich, und ein echter Vertrauenskiller.

Ein Kriterium kommt dazu, das ältere Vergleiche noch komplett ignorieren. Seit dem 1. Januar 2025 muss jedes deutsche Unternehmen strukturierte E-Rechnungen im B2B empfangen können, geregelt in § 14 UStG.

Beim Versenden wird es ab 2027 ernst. Wer im Vorjahr über 800.000 Euro Umsatz gemacht hat, muss dann selbst elektronisch fakturieren. Ab 2028 gilt es für alle.

Bei sechsstelligen Monatsumsätzen bist du in der ersten Welle dabei. Heißt für dich: Dein Rechnungstool muss beides können, E-Rechnung und Mahnung. Ein reines Mahn-Add-on löst die Pflicht nicht.

Mahnwesen-Software: Ein Tool, das überfällige Forderungen automatisch überwacht und in definierten Stufen anmahnt. Es erzeugt aus offenen Rechnungen Zahlungserinnerungen und Mahnungen. Der Versand folgt festen Fristen, danach aktualisiert das Tool den Status der offenen Posten.

Ziel ist, Zahlungsverzug zu verkürzen, ohne jede Forderung manuell nachzuverfolgen.

Was dir Mahnautomatik bringt

  • Kein Zahlungsziel rutscht mehr unbemerkt durch.
  • Mahnungen gehen nach festen Fristen raus, nicht nach Bauchgefühl.
  • Kürzerer Zahlungsverzug bedeutet planbareren Cashflow.

Wo die Tools an Grenzen stoßen

  • Das Mahnwesen hängt an der Rechnung, nicht am Ratenvertrag.
  • Ist die höchste Stufe durch, hört die Automatik einfach auf.
  • Verträge, Signaturen und Closer-Zuordnung kennt keines der Tools.

Lexware Office: Mahnungen in jedem Plan

Lexware Office hieß früher lexoffice. Der Name ist neu, die Stärke ist alt: Mahnungen und Zahlungserinnerungen stecken in allen Plänen. Das gilt von S bis XL, also von 7,90 bis 32,90 Euro im Monat zzgl. MwSt.

Aus einer überfälligen Rechnung erstellst du mit einem Klick die Mahnung. GoBD-Archiv und Umsatzsteuer-Voranmeldung sind ebenfalls in jedem Plan dabei. Alles monatlich kündbar.

Für klassische Rechnungssteller ist das der einfachste Einstieg. Buchhaltung und Mahnwesen in einem Tool, ohne Aufpreis-Logik. Da gibt es wenig zu meckern.

Praktisch heißt das: Du siehst deine offenen Posten in einer Liste. Ein Klick auf die überfällige Rechnung, und das Dokument liegt fertig da. Der Versand bleibt dein Schritt, dafür kontrollierst du jeden Ton selbst.

Die Grenze zeigt sich bei deinem Geschäftsmodell. Verkaufst du ein 24.000-Euro-Programm mit Anzahlung plus zwölf Raten, musst du jede Rate als Einzelrechnung nachbauen. Sonst hat die Mahnautomatik schlicht nichts zu überwachen.

Und dieser Nachbau ist kein Nebenbei-Job. Bei vierzig laufenden Verträgen sind das über fünfhundert Einzelrechnungen. Vergisst du eine, fehlt genau dort später die Mahnung.

sevDesk: rechtskonform ab dem Invoice-Plan

sevDesk staffelt das Thema über die Pläne. Rechtskonforme Zahlungserinnerungen gibt es ab dem Invoice-Plan für 11,90 Euro im Monat. Das volle mehrstufige Mahnwesen kommt erst mit dem Accounting-Plan für 25,90 Euro.

Alle Preise verstehen sich zzgl. MwSt. GoBD-Konformität ist Standard, Umsatzsteuer-Voranmeldung und EÜR gibt es ab Accounting. Damit deckt sevDesk die deutsche Buchhaltungsrealität sauber ab.

Okay, kurzer Einschub. Der Sprung von Zahlungserinnerung zu echtem Mahnwesen ist kein Detail. Eine Erinnerung ist nett gemeint, eine Mahnstufe mit Frist ist ein Prozess.

Wer nur den Invoice-Plan bucht und sich auf Mahnautomatik verlässt, stolpert genau hier. Die Stufe, die du brauchst, liegt einen Plan höher. Das merkst du erst, wenn die erste Rechnung richtig überfällig ist.

Rechne die Differenz trotzdem nüchtern. Vierzehn Euro Aufpreis im Monat sind gegen eine einzige gerettete Rate von 3.000 Euro keine Diskussion wert. Am Preisschild scheitert diese Entscheidung nie, nur an der Aufmerksamkeit beim Buchen.

Für wen lohnt sich sevDesk also? Für alle, die beides in einem Werkzeug wollen und beim Plan nicht am falschen Ende sparen.

FastBill: Mahnwesen als kostenpflichtiges Add-on

FastBill geht einen anderen Weg. Die Pläne kosten 10, 15, 30 oder 59 Euro im Monat, von Solo bis Premium. Das automatische Mahnwesen ist aber nicht standardmäßig enthalten.

Du buchst es als Add-on ab 4,90 Euro im Monat bei jährlicher Zahlung. Nur im Premium-Plan für 59 Euro ist es inklusive, dort mit 20 Mahnvorgängen. Jetzt kommt der nervige Teil: Wer das Add-on übersieht, hat gar keine Mahnautomatik.

Die Steuerung selbst ist ordentlich. Pro Mahnstufe schaltest du den Auto-Versand an oder aus. Dazu setzt du die Mahnfrist in Tagen nach Fälligkeit und legst eine Mahngebühr fest.

Einzelne Mahnungen lassen sich verschieben. Ein kompletter Mahnvorgang lässt sich abbrechen. Beides brauchst du öfter, als du denkst.

Das ist flexibler, als es klingt. Ein Kunde meldet sich mit einer Zusage, du schiebst die Mahnung eine Woche. So bleibt der Ton professionell, ohne dass der Prozess stirbt.

Ein Detail zum Premium-Plan noch: Die enthaltenen 20 Mahnvorgänge klingen nach viel. Fährst du vierzig Ratenverträge parallel, stolpert im Jahr fast jeder einmal. Dann ist das Kontingent nach einem halben Jahr weg.

Insider-Tipp

Ich stelle die erste Stufe immer als freundliche Zahlungserinnerung ohne Gebühr ein, mit kurzer Frist von sieben Tagen. Die meisten offenen Beträge sind Schlamperei, keine Verweigerung. Die Erinnerung löst sie, bevor überhaupt ein Mahnton nötig wird.

Bilendo: Credit Management für den Mittelstand

Bilendo aus München spielt eine andere Liga. Das ist keine Buchhaltung mit Mahnfunktion, sondern eine Credit-Management-Plattform für die komplette Debitorenseite. Entsprechend sieht die Preisliste aus.

Genauer gesagt: Es gibt keine öffentliche mehr. Der fixe Jahrespreis wird individuell mit dem Vertrieb festgelegt und ist jährlich im Voraus zahlbar. Portokosten für Briefmahnungen kommen transaktional obendrauf.

Die Zielgruppe ist damit klar Mittelstand und Enterprise, nicht das Coaching- oder Agenturgeschäft mit einer Handvoll Closern. Wer Multi-Entity-Strukturen und hohe Rechnungsvolumen fährt, sollte sich Bilendo ansehen. Alle anderen eher nicht.

Hier fliegt dir die Auswahl um die Ohren, wenn du nach Feature-Listen kaufst statt nach Segment. Ein Debitoren-System für Konzern-Buchhaltungen ist wie ein Sattelzug für den Wochenendeinkauf. Beeindruckend, aber falsch.

Ein Punkt spricht trotzdem für diese Klasse. Briefmahnungen wirken bei zahlungsunwilligen Kunden härter als jede E-Mail. Bilendo rechnet das Porto transaktional ab, du musst also keine Umschläge kleben.

Der Preis dafür ist die Bindung. Ein fixer Jahrespreis, jährlich im Voraus, ausgehandelt mit dem Vertrieb. Wer heute nicht weiß, wie sein Forderungsvolumen in zwölf Monaten aussieht, sitzt das Jahr trotzdem ab.

Agicap: Zahlungserinnerungen mit Bankabgleich

Agicap ist eigentlich eine Cashflow-Plattform. Der Charme fürs Forderungsthema: automatisierte Zahlungserinnerungen mit Zahlungsabgleich. Das Tool gleicht Bankeingänge mit offenen Posten ab und erinnert nur dort, wo wirklich noch Geld fehlt.

Fair bleibt: Agicap sagt im eigenen Vergleichsartikel selbst, was fehlt. Keine formalen Mahnverfahren, keine Verzugszinsberechnung, keine Inkasso-Übergabe. Preise gibt es nur auf Anfrage.

Das ist ehrlich und ordnet das Tool sauber ein. Agicap ist Liquiditätssteuerung mit Erinnerungsfunktion, kein Mahnwesen im rechtlichen Sinn. Für Mittelständler mit Cashflow-Fokus stark, als einziges Mahn-Tool zu dünn.

Der Zahlungsabgleich ist trotzdem das unterschätzte Feature. Er verhindert die Mahnung an jemanden, der gestern überwiesen hat. Genau diese Fehlmahnungen kosten dich Sympathie bei den Kunden, die eigentlich brav zahlen.

An der Stelle verkacken es viele, weil sie Erinnerung und Mahnung gleichsetzen. Eine Erinnerung hat keine Stufen und keine Konsequenz. Wenn der Kunde sie ignoriert, stehst du wieder am Anfang.

Als Ergänzung neben einem echten Mahn-Tool ergibt Agicap Sinn. Als alleinige Lösung für dein Forderungsthema eher nicht.

CloserCart: Mahnwesen direkt im Checkout

Jetzt der Kandidat aus der anderen Richtung. CloserCart ist keine Buchhaltungssoftware, sondern ein High-Ticket-Checkout mit Vertrag, digitaler Signatur und Ratenplan-Builder. Das Mahnwesen sitzt direkt an der Quelle: am Zahlungsplan.

Der Ratenplan-Builder bildet Anzahlung plus 1 bis 36 Raten ab, auf Wunsch mit Delay. Platzt eine Rate, greift die Mahnsequenz automatisch, weil das System jede Rate einzeln kennt. Harte Fälle gehen über die integrierte Mahnsequenz mit Paywise-Inkasso weiter, ohne manuellen Export.

Genau das können die Buchhaltungs-Tools nicht. Bei denen endet der Prozess nach der letzten Mahnstufe und der Fall wandert manuell zum Inkassobüro. Laut Agicap-Vergleich adressieren sonst nur Enterprise-Lösungen wie Esker den vollständigen Inkasso-Prozess.

Der Vertrag hängt mit dran, inklusive digitaler Signatur. Bei einer strittigen Forderung liegt das unterschriebene Dokument also nicht in irgendeinem Mail-Postfach. Es hängt am selben Vorgang wie die offene Rate.

Preislich liegt CloserCart bei 49 Euro im Monat im Starter mit einem Produkt. Pro kostet 99 Euro mit unbegrenzten Produkten und Custom Domain.

Jeder Plan enthält einen Closer, jeder weitere kostet 49 Euro monatlich. Umsatzbeteiligung: null Prozent.

Ehrlich bleibt auch hier die Grenze. CloserCart ersetzt deine Buchhaltung nicht und will es nicht. UStVA, EÜR und GoBD-Archiv bleiben der Job von sevDesk oder Lexware Office.

Alle Tools auf einen Blick

Tool Preis pro Monat Mahnwesen Inkasso-Übergabe
Lexware Office 7,90 bis 32,90 Euro In allen Plänen Nein, manuell
sevDesk ab 11,90 Euro Voll ab Accounting Nein, manuell
FastBill 10 bis 59 Euro Add-on ab 4,90 Euro Nein, manuell
Bilendo Auf Anfrage, jährlich Voll, plus Briefporto Keine Angabe
Agicap Auf Anfrage Nur Erinnerungen Nein
CloserCart 49 oder 99 Euro Am Ratenplan, automatisch Ja, Paywise integriert

Alle Angaben sind Listenpreise zzgl. MwSt., Stand Juli 2026. Bilendo und Agicap nennen keine öffentlichen Preise, dort entscheidet das Vertriebsgespräch.

Das Grundproblem: Die Mahnung hängt an der Rechnung

Jetzt zum Muster hinter dem ganzen Vergleich. Bei jedem Buchhaltungs-Tool hängt das Mahnwesen an der Rechnung. Keine überfällige Rechnung, keine Mahnung.

Dein Geschäft funktioniert aber anders. Du verkaufst einen Vertrag über 24.000 Euro mit Anzahlung und zwölf Raten. Damit die Mahnautomatik greift, musst du diesen einen Deal als dreizehn Einzelrechnungen nachbauen.

Das ist Fleißarbeit mit Fehlerpotenzial. Eine vergessene Rechnung ist eine Rate, die nie angemahnt wird. Und kein einziges dieser Tools kennt Verträge, digitale Signaturen oder die Zuordnung zum Closer.

Dazu kommt der zeitliche Versatz. Die Rate platzt beim Zahlungsanbieter, die Rechnung liegt in der Buchhaltung. Zwischen beiden Systemen sitzt nur dein Gedächtnis.

Da stolpern die meisten drüber. Nicht weil die Tools schlecht sind, sondern weil sie für ein anderes Geschäftsmodell gebaut wurden.

Die Marktaufteilung zeigt es deutlich. FastBill, Billomat und 123Rechnung zielen auf Selbstständige und Kleinunternehmen. Tricoma bedient KMU mit ERP-Bedarf.

Agicap, Esker und Bilendo wiederum zielen auf den Mittelstand. Dazwischen klafft eine Lücke.

Ein checkout-natives Mahnwesen für High-Ticket-Anbieter mit Ratenverträgen bedient keines dieser Segmente. Genau in dieser Lücke sitzt du mit deinem Coaching- oder Agentur-Geschäft. Mehr Grundlagen dazu findest du im Ratgeber Mahnwesen für Coaches und Berater.

Mythos

Meine Buchhaltungssoftware regelt das Mahnwesen für meine Ratenzahlungen automatisch mit.

Realität

Die Mahnautomatik überwacht Rechnungen, keine Zahlungspläne. Einen Ratenvertrag musst du als Einzelrechnungen nachbauen, damit überhaupt etwas angemahnt wird. Und am Ende der Mahnkette ist Schluss: Die Übergabe ans Inkasso bleibt bei allen gängigen Tools Handarbeit.

Der teure Fehler

Ratenverträge verkaufen und das Mahnwesen der Buchhaltung überlassen. Die nie angelegte Einzelrechnung wird nie überfällig und nie angemahnt. Bei einer 3.000-Euro-Monatsrate merkst du den Ausfall erst Monate später im Kontoauszug.

Wie mich eine stille Rate fast fünfstellig gekostet hätte

Kurze Geschichte aus der Zeit, bevor mein Mahnwesen ein System war. Ein Kunde hatte ein Programm für 30.000 Euro unterschrieben. Anzahlung plus acht Raten à 3.000 Euro, alles sauber vereinbart.

Die ersten drei Raten liefen glatt. Dann wechselte der Kunde die Bank. Die vierte Rate platzte, still und ohne Drama.

Meine Buchhaltung wusste davon nichts. Dort existierte nur die Anzahlungsrechnung, die längst bezahlt war. Die Raten liefen als Dauerauftrag nebenher, an jedem System vorbei.

Ich habe es zehn Wochen nicht gemerkt. Zehn Wochen, in denen zwei weitere Raten ausfielen. Plötzlich standen 9.000 Euro offen und die älteste Forderung war über zwei Monate alt.

Der Kunde war nicht mal böswillig. Er hatte den Dauerauftrag beim Bankwechsel schlicht vergessen. Nach einem Anruf und zwei Tagen war das Geld da.

Aber der Schreck saß. Wäre er zahlungsunfähig geworden, hätte ich mit zwei Monaten Verspätung angefangen zu mahnen. Nicht lustig.

Seitdem gilt bei mir: Jede Rate wird vom ersten Tag an maschinell überwacht.

Vergiss die Mahngebühr, miss die Tage

Der übliche Rat in jedem Mahn-Ratgeber: Setz eine Mahngebühr, das diszipliniert. Ich halte das für die falsche Stellschraube. Eine Mahngebühr im einstelligen Bereich diszipliniert niemanden, der eine 3.000-Euro-Rate schuldig ist.

Die Kennzahl, die zählt, ist die Zeit bis zur ersten Reaktion. Also wie viele Tage zwischen Fälligkeit und deiner ersten Nachricht liegen. Bei manuellen Prozessen sind das oft zwei bis drei Wochen, weil niemand täglich die offenen Posten prüft.

Genau deshalb wirkt Automatisierung so stark. Die Agicap-Zahlen von oben, bis zu zwei Wochen weniger Verzug, kommen nicht von härteren Texten. Der Hebel liegt darin, dass die erste Erinnerung am Tag drei rausgeht statt am Tag achtzehn.

Miss das einmal ehrlich nach. Nimm deine letzten zwanzig verspäteten Zahlungen und notiere den Abstand bis zu deiner ersten Nachricht. Der Durchschnitt sagt dir mehr über deinen Cashflow als jede Mahngebühr.

Mein Rat: Optimiere die Reaktionszeit auf unter fünf Tage und lass die Gebühr weg. Wie du die Stufen konkret aufsetzt, zeigt der Beitrag Mahnwesen automatisieren: offene Raten auf Autopilot.

Das rächt sich spätestens dann, wenn ein Kunde in echte Schieflage gerät. Wer erst nach drei Wochen anklopft, steht hinter allen anderen Gläubigern in der Schlange. Ganz vorne zu stehen ist bei Zahlungsproblemen die halbe Miete.

Die Falle Ich habe früher jede Mahnung individuell formuliert, weil sich Vorlagen unpersönlich anfühlten. Ergebnis: Mahnungen gingen im Schnitt erst nach zwei Wochen raus, manche nie. Bei neun parallel offenen Raten war ich nur noch am Hinterhertexten.

Die Lösung Heute laufen drei feste Stufen automatisch, von der freundlichen Erinnerung bis zur letzten Frist. Persönlich wird es erst, wenn ein Kunde antwortet, dann übernehme ich. Seitdem geht keine Rate mehr unbemerkt über Tag fünf hinaus.

Die drei Fragen vor der Tool-Wahl

Feature-Listen helfen dir bei dieser Entscheidung wenig. Drei Fragen reichen, und du landest fast automatisch beim richtigen Werkzeug.

Erstens: Was verkaufst du am häufigsten? Zähl die letzten zwanzig Abschlüsse durch. Sind mehr als die Hälfte Ratenverträge, ist die Rechnung das falsche Ankerobjekt für dein Mahnwesen.

Zweitens: Wer soll mahnen? Wenn du selbst der Prozess bist, wird jede Urlaubswoche zur Lücke. Ein System kennt keine Ferien und keine schlechte Laune.

Drittens: Was passiert nach der letzten Stufe? Ohne Antwort darauf kaufst du dir nur eine hübschere Art, Forderungen abzuschreiben. Genau hier trennt sich ein Mahnwesen von einer Erinnerungsfunktion.

Bei zwei von drei Antworten Richtung Raten würde ich nicht lange vergleichen. Dann kaufst du sonst ein Tool, das dein Kerngeschäft gar nicht abbilden kann. So einfach ist das.

Was ich in den ersten 7 Tagen tun würde

Du brauchst kein Quartalsprojekt. Eine Woche reicht, um vom Zufallsprinzip auf ein System zu kommen. So würde ich es angehen.

  1. Alle offenen Forderungen auflisten, inklusive still laufender Ratenvereinbarungen.
  2. Entscheiden, ob dein Kerngeschäft Rechnungen oder Ratenverträge sind.
  3. Das passende Tool wählen und die Testphase starten.
  4. Drei Mahnstufen mit Fristen und Vorlagen einrichten.
  5. Alle laufenden Zahlungspläne ins System übertragen.
  6. Einen Testlauf mit einer echten überfälligen Forderung fahren.
  7. Den Weg ins Inkasso festlegen, bevor du ihn brauchst.

Schritt sieben überspringen die meisten. Genau der entscheidet aber, ob harte Fälle Geld werden oder Aktenleichen.

Wie auch immer. Ohne definierten Endpunkt ist jede Mahnkette nur Theater.

Deine Mahnwesen-Checkliste

  • Jede offene Forderung ist in genau einem System erfasst.
  • Ratenpläne sind einzeln überwacht, nicht nur die Gesamtsumme.
  • Drei Mahnstufen mit festen Fristen sind aktiv geschaltet.
  • Die erste Erinnerung geht spätestens am Tag fünf raus.
  • Der Weg von der letzten Mahnstufe ins Inkasso ist definiert.
Quellen
  1. Lexware Office Preise (offiziell)
  2. sevDesk Preise (offiziell)
  3. FastBill Preise (offiziell)
  4. FastBill Support: Automatisches Mahnwesen
  5. Bilendo Pricing (offiziell)
  6. Agicap: Mahnwesen Software, Top 6 Tools im Vergleich
  7. § 14 UStG: Ausstellung von Rechnungen (E-Rechnungspflicht)

Häufige Fragen zu Mahnwesen-Software

Welche Mahnwesen-Software ist für Selbstständige am günstigsten?

Lexware Office startet bei 7,90 Euro im Monat zzgl. MwSt. und hat Mahnungen bereits im kleinsten Plan enthalten. sevDesk bietet Zahlungserinnerungen ab 11,90 Euro, das volle Mahnwesen ab 25,90 Euro. Bei FastBill kostet die Mahnautomatik extra, buchbar ab 4,90 Euro monatlich.

Übergibt eine Mahnwesen-Software offene Forderungen automatisch ans Inkasso?

Die gängigen Buchhaltungs-Tools wie Lexware Office, sevDesk, FastBill und Billomat nicht. Ist die letzte Stufe raus, hört die Software auf und du übergibst den Fall selbst an ein Inkassobüro. Eine integrierte Übergabe bieten sonst nur Enterprise-Lösungen sowie CloserCart mit dem angebundenen Paywise-Inkasso.

Funktioniert das Mahnwesen der Buchhaltungs-Tools auch bei Ratenzahlung?

Nur mit Umweg. Angemahnt wird immer eine Rechnung, also legst du jede einzelne Rate mit eigener Fälligkeit an. Zwölf Monatsraten plus Anzahlung ergeben dreizehn Rechnungen.

Ein checkout-natives System überwacht dagegen den Zahlungsplan selbst.

Sind die Tools für den deutschen Markt geeignet?

Ja, alle verglichenen Tools sind DACH-tauglich: deutsche Sprache, Abrechnung in Euro, GoBD-konforme Rechnungen und MwSt.-Handling. Wichtiger ist inzwischen die E-Rechnung: empfangen seit 2025 Pflicht, selbst versenden ab 2027 bei über 800.000 Euro Vorjahresumsatz. Dieses Kriterium gehört ans Rechnungstool, nicht ans Mahn-Add-on.

Was bringt automatisiertes Mahnen messbar?

Messbar viel, wenn du den Zahlen von Agicap folgst: Der durchschnittliche Verzug schrumpft um bis zu vierzehn Tage. Überfällige Rechnungen kommen binnen 60 Tagen sogar dreimal so wahrscheinlich rein. Der Haupthebel ist dabei die schnelle erste Erinnerung, nicht der härtere Ton.

Mahnwesen dort, wo deine Raten entstehen

CloserCart überwacht jede Rate deiner Aufteilungen automatisch und mahnt in Stufen. Harte Fälle gehen per Paywise direkt ans Inkasso. Ohne nachgebaute Einzelrechnungen, ohne Extra-Tool.

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